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SATOWER NARRENBLATT

23.06.2006
Deutschland einig Fußballand/SN.

Heißer Sommer
Wir schalten ab!

Die Fußballrepublik ist ein einziges Fahnenmeer, abendliche Autokorsos gehören zum Verkehrsalltag wie der Stau am Morgen, Kinder skandieren »Deutschland! Deutschland!«
Wann hat es etwas derartiges zuletzt gegeben? (Es war in der Zeit, aus der dem legalen Philatelisten sämtliche Briefmarken fehlen. Aber darum geht es hier nicht.)
Das Land ist glücklich. Man genießt das sportliche Großereignis, ist stolz auf seine Mannschaft und zeigt dies gern und laut.

Politiker nutzen die Gelegenheit, Steuererhöhungen ungekannten Ausmaßes durchzudrücken und gleich noch neue anzukündigen. Bald wird es ein Ende haben mit dem Gürtelengerschnallen, weil wir uns keine Hosen mehr leisten können, die eines Gürtels bedürften. Die Gesundheit, schon jetzt ein teures Gut, wird unbezahlbar. Trotzdem sollen die Bürger noch mehr dafür blechen. Eine weitere Steuer muß her, dafür sinken dann allerdings die Beiträge – zum wievielten Mal, ist nicht nur Alzheimerpatienten entfallen. Daß sie uns immer wieder etwas von Beitragssenkungen erzählen, ist schon mehr als dreist. Für wie blöd halten die uns eigentlich?

Tatsächlich ist die Zahl der Horrormeldungen fast doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Sommer, aber irgendwie scheint's niemanden zu interessieren. Wir hören es und schalten um. »Wie steht's? Eins zu null für Deutschland!« Deutschland 1, Politik 0. »Ihr könnt nach Hause geh'n!«

Der amerikanische Präsident kommt nach MV. Auf Einladung von Frau »Sanierungsfall Deutschland« Merkel. Die Polizei bereitet die betroffenen Landstriche schon mal auf die Evakuierung vor. Frei nach Hans Albers: »Macht alle Türen zu, macht alle Gullys dicht, und die Straße frei für mich!«
In Greifswald feiert übrigens am 12. Juli das Anti-Kriegs-Musical »Hair« Premiere. Ein schöner Zufall.

Frau Christiansen hört auf. Nicht gleich, aber im nächsten Jahr. Nach 10 Jahren soll Schluß sein mit der gepflegten Langeweile am Sonntagabend. Viele meinen, ihre Entscheidung käme zehn Jahre zu spät und ich möchte dem nicht widersprechen. Aber wer sich jetzt schon freut, sollte wissen, was in der Traufe ist, in die wir aus dem Regen kommen – Jauch, Günther Jauch.

»Allianz streicht 7500 Stellen«, »30.000 Jobs bei VW in Gefahr«, »Neuer Ärztestreik wahrscheinlich«
Wir schalten um. »Wie steht's? Zwei zu null für Deutschland!«
Wir schalten ab. Wenigstens für ein paar Wochen…
ski


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