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Der weite Weg zum Euro

Zum 5. Mal in meinem Leben erfahre ich, wie neues Geld unter die Leute kommt. 1948 kam die »Deutsche Mark der Deutschen Notenbank« (D-Mark/Ost) für die »Reichsmark«. Wer damals mehr als 1000 Reichsmark besaß, dem wurde sein Erspartes 10:1 abgewertet. Die Taschen meiner Eltern waren damals allerdings leer, so blieb uns Ärger erspart. Für das neue Geld gab es ohnehin wenig zu kaufen. Wer sich neue Moneten erworben hatte, fuhr nach West-Berlin, tauschte die D-Mark/Ost 4:1 in DMark/ West und kaufte sich rund um den Kudamm Zigaretten, Schokolade oder Nylonstrümpfe. Vor der Gefahr eines anhaltenden Umtauschtourismus bewahrte uns 1961 der Mauerbau, ein Zeichen der unermüdlichen Fürsorge des Staates für seine Bürger.
1964 gab es plötzlich neue Geldscheine: Die »Mark der Deutschen Notenbank« (MDN). Die war allerdings sehr kurzlebig, denn nach 10 Jahren waren die meisten Scheine so verschlissen, dass neues Geld gedruckt werden musste. 1974 kam die »Mark der DDR« unter's Volk. Neben dieser »Mark« existierte inzwischen eine zweite Währung, besonders bekannt unter dem Namen »Blaue Fliesen«! Für sie gab es alles, was für Mark der DDR nicht zu haben war. Das erklärt die nächste Tauschaktion.
Im Juli 1990 fand in der DDR der einzige Geldumtausch statt, der dem Wunsch und Wollen ihrer Bürger entsprach, vor allem auch derjenigen, für die in den alten Zeiten der Einkauf mit Valuta oder FORUM-Schecks in den Intershops genauso unmöglich war, wie der Besuch der Großmutter in Lübeck. Zwar war nun das meiste Angesparte für viele nur noch die Hälfte Wert, aber wir hatten jetzt die harte »D-Mark« (Noch im Februar 1990 kaufte meine Tochter in Evershagen auf dem Automarkt einen Trabi, Baujahr 1972, 3. Motor, für 12000 Mark der DDR - Schwamm drüber!).
Und nun 2002 der »Euro«. Gerade hatten wir uns die Westmark erkämpft, da waren wir sie schon wieder los. Und diesmal gab's nur knapp die Hälfte (1,95583 DM = 1 Euro). Zwar will man uns weismachen, dass keine Preiserhöhungen damit verbunden sind, aber wer will und kann denn (siehe PISA-Studie) dauernd umrechnen. Mein Freund Albert hat sich ein Herz gefasst und gerechnet. Als konsequenter Biertrinker beträgt sein Jahresverbrauch rund 60 Kästen Rostocker Pils. Bisher musste er für das Leergut (1200 Flaschen) insgesamt 180,00 DM Pfand bezahlen, weiß er. Jetzt würden es 96 € = 187,76 DM im Jahr sein, also 7,76 DM mehr als bisher. Und da er noch mindestens 25 Jahre lebe, seien das immerhin 194,00 DM Mehraufwendungen für Pfand, meint Albert. Und so habe ich Verständnis für ihn, wenn er verbittert feststellt: »Und dafür sind wir 1989 auf die Straße gegangen?!« Sein Fazit: »Lass dich beim Euro nicht über's Ohr hauen - rechne nach!« Er wies mich vor allem darauf hin, dass der Umrechnungsfaktor auch in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens gelte. »Freue dich im Endspiel bei der Fußball-WM zwischen Deutschland und Kamerun (Kamerun will der EU und der Euro-Zone erst 2011 beitreten, wollte Albert in der Super-Illu gelesen haben) bloß nicht zu früh, wenn es nach der Verlängerung 1,95583 : 1 für Deutschland steht. Es steht nur 1 : 1 und somit gibt's Elfmeterschießen!«, warnt Albert.

In diesem Sinne »Spott frei« und lassen Sie den Euro rollen!
HILDE BRANDT


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Nr. 09 - 2002
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